Diskursive Projektarbeit

Unsere Arbeitsweise - Diskursive Projektarbeit

Die Methode der Diskursiven Projektarbeit folgt einem beteiligungsorientierten Ansatz und stellt ein praxisorientiertes Vorgehen zur Lösung komplexer, festgefahrener Problemlagen und zur Entwicklung von Kooperationschancen verschiedener Akteure unterschiedlicher Interessenlagen dar. Die Methode greift den Ansatz des Diskurses von Reinhard Ueberhorst und Dr. Reinier de Man auf, wie er in den chemiepolitischen Verständigungsprozessen der 90er Jahren zur Anwendung kam.

Der Ansatz soll auf einen organisierten Kommunikationsprozess in einer ausgewählten Gruppe hinauslaufen. Die identifizierten Partner werden in einen Diskurs geführt, der auf eine ergebnisoffene und zugleich ergebnisorientierte Verständigung abzielt. Der Diskursplaner (Projektkoordinator) ist hierbei am Ziel der Identifizierung und Klärung von Verständigungsaufgaben orientiert. Es geht darum, Kontroversen zu benennen und sie zu bearbeiten.

Für die Durchführung von Projekten nach dem Ansatz der Diskursiven Projektarbeit ergibt sich folgendes methodisches Vorgehen:

1) Problemanalyse

Desk Research und Literaturrecherche zur Erschließung der zentralen Fragestellungen, Kontroversen und der potentiell zu beteiligenden Akteure.

2) Akteursanalyse

Für Planung, Umsetzung und Erfolg von Veränderungsprozessen sind die Problemsicht, die Interessen und Konflikte, und im weiteren Sinn auch kulturelle Aspekte aller für das jeweilige Vorhaben relevanten Akteure (Betroffene, Schlüsselpersonen, Entscheidungsträger, Medienöffentlichkeit etc.) von entscheidender Bedeutung.

Aus diesem Grund ist eine Akteursanalyse nach Zielgruppen durchzuführen, wie bspw. Marktliche Akteure, Öffentliche Akteure/Verbände/Gewerkschaften, Politische Akteure, Wissenschaft und Forschung.

In diesem Schritt gilt es über Interviews und Expertengespräche Positionen und Konsensstrategien auszuloten. Das Ergebnis besteht in einem Input für den Akteursdialog, aus der Präzisierung des Gegenstandsbereichs, der Herausarbeitung der Position von Akteuren sowie deren Interessen, aber auch in einem ersten Ausloten der vorhandenen Lösungskapazitäten und ihrer Umsetzungsmöglichkeiten.

Dabei umfasst die Akteursanalyse folgende Teilanalysen:

  1. Kontextanalyse: eine Analyse des politischen, gesellschaftlichen Umfeldes, in dem sich die Interessen, die Konflikte und die Diskurse innerhalb der Akteursgruppen und zwischen den Akteursgruppen entwickeln. Dabei geht es um die Frage: Was sind für jeden Akteur die wichtigsten externen (politischen, wirtschaftlichen, etc.) Herausforderungen, auf die er eine Antwort finden soll?
  2. Interessensanalyse: Welche spezifischen positiven oder negativen Interessen hat der jeweilige Akteur im Hinblick auf bestimmte Entwicklungslinien der Energiewirtschaft?
  3. Positionsanalyse: Welche Positionen haben die jeweiligen Akteure in der Diskussion offiziell oder informell kommuniziert?
  4. Welche tatsächlich stattfindenden oder aus der Positionsanalyse abzuleitenden möglichen Diskurse können identifiziert werden?
  5. Welche Diskursagenda, die für alle einzubeziehenden Akteure nicht nur relevant, sondern auch attraktiv erscheint, kann auf dieser Basis definiert werden?

3) Durchführung des Diskursprozesses / Workshops

 Das Kernstück der diskursiven Projektarbeit bilden die Workshops. In diesen werden, auf der Basis der während der Akteursanalyse definierten Agenda, Kontroversen mit den Beteiligten und für die Beteiligten in ihrer Komplexität so aufbereitet, dass ein gemeinsam akzeptierbares Verständnis der unterschiedlichen Sichtweisen erreicht wird. Dies stellt mehr als die schlichte Zusammenstellung kontroverser Positionen dar.

 Bei dieser Methode soll der/die DiskursplanerIn inhaltlich so indifferent wie möglich sein, während er/sie für den fairen Prozess Garant steht. Auf keinen Fall sollen unterschiedliche Auffassungen, Sichtweisen und Denkweisen eliminiert oder diese Pluralität aufgehoben werden. Vielmehr geht es darum, durch diskursive Zusammenführung die Kommunikation in den Akteursgruppen und zwischen den Gruppen zu verbessern, Verständigungsprozesse durchzuführen sowie an aufgedeckten Schnittstellen Konsens herzustellen und Kooperationsformen zu finden. Eine klare Haltung beansprucht die Diskursplanung nur für die Regeln, die als Bedingungen der Möglichkeit von Verständigungsprozessen erkannt und begründet werden können.

 Der Diskursprozess soll auf keinen Fall nur eine Wiederholung bestehender Positionen oder bestehender Diskurse darstellen. Deshalb macht es in der Regel wenig Sinn, eine Veranstaltung zu organisieren, bei der die Akteure ohne Vorbereitung ihre (meistens weitgehend bekannten) Stellungnahmen wiederholen und wo die (meistens weitgehend bekannte) kontroverse Diskussion noch einmal reproduziert wird.

Aus diesem Grund werden die großen Diskussionsrunden, an denen alle Akteure teilnehmen, Schritt für Schritt vorbereitet:

Bilaterale Kontakte zwischen DiskursplanerIn und einzelnem Akteur (zum Teil bereits im Rahmen der Akteursanalyse)

  • Kleinere Workshops (strikt unter der Chatham House-Regel) mit Vertretern aus einer Akteursgruppe mit dem Ziel die eigene Position und Kooperation mit anderen zu klären, bevor die Diskussion mit anderen Akteuren tatsächlich stattfindet.
  • Größere Workshops mit mehreren anwesenden Akteursgruppen auf der Basis der Vorbereitung in den ersten zwei Schritten.

Die Moderation des Kommunikationsprozesses und die Projektkoordination sind von einem externen Dritten, sprich von einem am Diskurs nicht Beteiligten, zu übernehmen. Das INEP Institut verfügt in diesem Bereich über umfangreiche Erfahrungen und Expertise.

Uetze, den 04.06.2018

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