Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Ko-Präsident des Club of Rome, Honorarprofessor an der Universität Freiburg

Nachruf auf Prof. Dr. Bernd Heins (1954 – 2018)

Der unerwartete Tod von Bernd Heins macht mich betroffen. Er war über sicher dreißig Jahre mein Freund. Ich traf ihn Anfang der 1990er Jahre im Vorfeld des Erdgipfels von Rio de Janeiro, 1992. Bernd war damals beim Hauptvorstand der IG Chemie und interessierte sich für die gegenseitige Verträglichkeit von Umweltschutz und Chemie-Arbeitsplätzen. Er hatte den Brundtland-Bericht gut gelesen und gemerkt, was für eine politische Kraft in dem damals neuen Begriff der Nachhaltigen Entwicklung, der Nachhaltigkeit steckte.

Im Brundtland-Bericht war der Begriff ein Formelkompromiss. Die Vorsitzende Frau Dr. Gro Harlem Brundtland, norwegische Ministerpräsidentin wollte die gequälte Natur retten. Die Entwicklungsländer, angeführt durch Brundtlands Stellvertreter Emil Salim, dem indonesischen Umweltminister und inspiriert durch den hochrangigen indischen Berater Nitin Desai wollten in erster Linie ökonomische Entwicklung. Nitin Desai kam eines Tages mit dem Vorschlag, den Begriff Sustainable Development/ Nachhaltige Entwicklung ins Zentrum der Kommissionsbemühungen zu stellen. Die Definition blieb vage auf das Wohl zukünftiger Generationen bezogen. Aber die Kommission war glücklich, mit dem neuen Wort ihre inneren Konflikte zu übertünchen.

Bernd Heins war einer der ersten in Deutschland, der die Sprengkraft des Begriffes verstand. Zugleich sah er darin eine Chance, die damals recht aggressiv und häufig sehr industriekritisch auftretenden Umweltschützer in die Schranken zu weisen. Er war entscheidend daran beteiligt, das „Nachhaltigkeits-Dreieck“ auszurufen: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Damit war zugleich eine Rollenzuweisung verbunden, die dem IG Chemie-Vorstand (inzwischen IGBCE) gut gefiel: Das Soziale war die Rolle der Gewerkschaften, das Ökonomische die Rolle der Industrie oder der Arbeitgeber, und um die Ökologie durften sich die Umweltschützer kümmern. Im Streitfall um Arbeitsplätze waren dann Gewerkschaften und Arbeitgeber tendenziell immer auf der gleichen Seite.

Für die Umweltschützer blieb der Trost, dass es nun sowohl bei Arbeitnehmern wie bei Arbeitgebern die Pflicht zur Berücksichtigung der Umwelt gab, und dass der Gesetzgeber schließlich den Rahmen für die Erhaltung der ökologischen Lebensgrundlagen setzen musste.

Mit dieser gewissermaßen harmonischen Lösung konnten die damals brennenden Themen des Waldsterbens, der Emissionsgrenzwerte, der Wassergüte und abgeschwächt auch des Naturschutzes angegangen werden, und Bernd Heins war immer vorne mit dabei. Er wurde zum Koordinator der SPD-Fraktion für die Bundestags-Enquetekommission Schutz des Menschen und der Umwelt bestellt. Diese sollte die Ergebnisse des Erdgipfels von Rio für die deutsche Rechtssetzung aufbereiten.

Es war aber auch die Zeit nach dem Fall der Mauer, wo man sich um die teilweise verheerende Umweltsituation in Ostdeutschland kümmern musste. Und nach dem Ende des Ost-West-Konflikts gab es erst schleichend, dann immer deutlicher eine Dominanzumkehr von der staatlichen Autorität auf die Macht der Finanzmärkte. Das internationale Kapital fing an, die Staaten zu drängen, die Rahmenbedingun­gen so zu verändern, dass die Kapitalrendite steigen würde, - und das bedeutete Stillstand und später Abbau der staatlichen Sozialsicherung. Für die Gewerkschaften eine zunehmend schwierige Zeit.

In dieser Zeit hat Bernd Heins sich dann zunehmend in die akademische Welt hineinbewegt. An der Universität Oldenburg wurde er Lehrstuhlvertreter für Nachhaltigkeit, und die TU Clausthal verlieh ihm den Titel Honorarprofessor. In Clausthal wirkte er auch beim Aufbau von CUTEC mit, dem Clausthaler Umwelttechnik-Institut. 2006 zog es ihn wieder nach Oldenburg, wo Bernd das INEP aufbaute, das Institut für nachhaltiges Energiemanagement, Politik, Risiko und soziale Innovationen, das sich auch in Afrika und für die Energieversorgung von Megacities engagierte.

Neben den hauptberuflichen Funktionen hat sich Bernd Heins immer wieder und mit großem Einsatz für staatliche und nichtstaatliche Organisationen engagiert, auch für die Deutsche Gesellschaft des Club of Rome.

Wer das Glück hatte, Bernd Heins persönlich zu kennen und zu erleben, war von seiner Unmittelbarkeit, Menschlichkeit, seinem politischen Durchblick und seiner erstaunlichen Arbeitsfähigkeit beeindruckt. Er hinterlässt eine große Lücke insbesondere in der politischen Sichtbarkeit der Gewerkschaftsbewegung und des nichtstaatlichen Einsatzes für eine lebenswerte Umwelt.

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